vhw Mitteilungen

Bei den vhw Mitteilungen handelt es sich um die Verbandszeitschrift des  vhw. Das Inhaltsverzeichnis und den einleitenden Artikel „Auf ein Wort“  finden Sie in den folgenden Links.

vhw Mitteilungen (aktuelle Ausgabe)
Auf ein Wort

Sonstige Ereignisse und Aktivitäten

Zurückliegende Aktivitäten, Ereignisse oder Inhaltsverzeichnisse der vhw Mitteilungen finden Sie im

Archiv

Hochschulen unter Coronabedingungen

Mit Beginn der Corona-Pandemie mussten die Universitäten und Hoch­schulen die erforderlichen Rahmenbedingungen für einen möglichst rei­bungslosen Lehr- und Forschungsbetrieb im Sommersemester 2020 schaf­fen. Die Universitäten und Hochschulen waren gezwungen, in einem großen Kraftakt und unter enormem Zeitdruck Konzepte und Infrastruk­tur für die virtuelle Lehre zu entwickeln, um auch ein qualitativ ansprechen­des Lehrangebot anbieten zu können. Allerdings waren die Ausgangs­bedingungen in den verschiedenen Regionen und Hochschulen sehr unter­schiedlich. An Hochschulen, die schon Erfahrungen mit elektronischer Leh­re hatten und über Kompetenzteams für Digitalisierung verfügten, war die Umstellung leichter durchführbar als an Hochschulen ohne digitale Lehrer­fahrungen und Kompetenzteams. Aber alle Lehrenden mussten bei großem Engagement und Zeitaufwand auch noch ihr Leben neu organisie­ren bis hin zum privaten Bereich im Homeoffice. Durch die Corona-Pande­mie wurden neue, bisher unbekannte Herausforderungen an Studierende, Lehrende und Forschende sowie an die Verwaltungen gestellt.

Da der Notbetrieb der Universitäten und Hochschulen bei andauerndem Infektionsgeschehen weiter durchgeführt werden muss, fordert der ddb Bund Länder und forschungsfördernde Institutionen und auch die Hoch­schulen auf, gemeinsam Rahmenbedingungen zu entwickeln, um die Coro­na-bedingten Einschränkungen zu bewältigen und auf die Zeit nach der Krise vorbereitet zu sein.

Die Forderungen im Einzelnen:

  1. Hochschulorganisation
  • Das Zusammenwirken von allen Mitgliedern der Universitäten und Hochschulen ist zu stärken, um für Krisen besser gerüstet zu sein.
  • Studierende, Lehrende, Mitarbeiter*innen und Leitungsgremien bringen unterschiedliche Sichtweisen und Erfahrungen ein. Die Krise kann nur in Zusammenarbeit bewältigt werden.
  • Die Selbstverwaltungsgremien sind deshalb zu stärken, häufiger zu informieren und zu beteiligen, und die deutlich erschwerte Kommunikation unter Corona-Maßnahmen ist durch digitale Hilfs­mittel (Telefonkonferenzen, Videokonferenzen, vermehrte kurze Sitzungstermine) zu verbessern.
  • Die Hochschulautonomie hat dafür gesorgt, dass vor Ort passge­nau und sehr schnell reagiert wurde. Sie hat sich bewährt und sollte unter Stärkung der Vertretergremien ausgebaut werden.
  1. Lehre
  • Der Regelfall soll die Präsenzlehre sein. Sie bietet bei freier Me­thodenwahl der Dozent*innen die beste Möglichkeit, Inhalte und Kompetenz zu erwerben. Hygienekonzepte sind erarbeitet und bewährt. Die Rückkehr zur Präsenzlehre sollte über hybride For­men der Hochschullehre zeitnah vorangetrieben werden. Dazu können in den Hochschulen unterschiedliche Formen des Lock­downs und mögliche Öffnungen auf der Grundlage hochschul­übergreifender Standards entwickelt werden.
  • Die Präsenzlehre wurde aber an fast allen Hochschulen einge­stellt. Ein wesentlicher Grund lag an fehlenden Räumen, die die Umsetzung der Hygienekonzepte ermöglicht hätten. Die Raum­knappheit der Hochschulen war nach dem starken Anstieg der Studierendenzahlen schon vor COVID-19 bekannt. Corona hat diesen Mangel verdeutlicht. Abhilfe tut not!
  • Präsenzlehre ist insbesondere für Studienanfänger wesentlich. Von der Pflichtlehre an Schulen treten sie in ein System der er­kenntnisgetriebenen Wissenschaft ein, die auf intrinsisch moti­viertes selbstständiges Lernen mit wenigen Pflichtveranstaltun­gen setzt. Die erforderliche Motivation müssen die Dozent*innen vorleben – am besten in Präsenz. Die im Schulbereich breit dis­kutierten sozialen Folgen fehlenden Präsenzunterrichtes treten an den Hochschulen sicher in ähnlicher Form auch auf. Präsenzlehre ist daher insbesondere für Studienanfänger*innen prioritär anzu­bieten.
  • Besonders bei angewandten Wissenschaften können Laborprakti­ka nur unter strengen Hygienekonzepten in sehr kleinen Gruppen oder gar nicht durchgeführt werden. Das ist bei angewandten Wissenschaften inakzeptabel. Der Beschäftigtenkreis unterhalb der Professur muss soweit ausgebaut werden, dass praktische Übungen und Arbeiten im Labor notfalls auch in kleinen Gruppen möglich sind.
  • Eine gute Fernlehre mit individueller Betreuung ist arbeitsinten­siv. Digitale Lehre erfordert andere didaktische Konzepte, die er­arbeitet werden müssen. In den Besoldungsverordnungen einiger Länder gibt es immer noch formal die Möglichkeit, Fernlehre als Sparprogramm zu nutzen. Deputatsanrechnung für Fernlehre kann niedriger als für Präsenzlehre angesetzt werden. Hier wird davon ausgegangen, dass Online-Lehrveranstaltungen einmal ins Netz gestellt werden und dann jahrelang unverändert abgerufen werden können. Das ist eine Fehleinschätzung und behindert die Entwicklung guter Fernlehre. Besser sollten Anreize für gute digi­tale Fernlehre geschaffen werden.
  1. Prüfungen

Eine besondere Herausforderung unter COVID-19-Maßnahmen stellen Prüfungen an den Hochschulen dar. Das Vorgehen ist sehr unterschiedlich. Einige Hochschulen mieten große Räume an, um Präsenzprüfungen unter den vorgegebenen Hygieneregeln abzu­halten. Andere Hochschulen haben diese Möglichkeit nicht und sind auf Fernprüfungen angewiesen. Die Rechtslage dazu ist un­klar, eine sichere Prüfung auf Täuschungsversuche ist nicht mög­lich. Auch die von außerhalb der Hochschulen geforderte Umstel­lung auf andere Prüfungsformen ist nur mit zeitaufwändigen Än­derungen der Prüfungsordnungen und teils langen Karenzzeiten möglich.

Der vhw fordert daher die Bundesländer dringend auf, möglichst rasch die rechtlichen Grundlagen für den rechtssicheren Einsatz von Online-Prüfungen oder anderen Alternativen zu Präsenzprü­fungen zu schaffen.

  1. Forschung

Die Forschung an den Hochschulen konnte im Vergleich mit ande­ren Bereichen der Gesellschaft unter COVID-19-Bedingungen re­lativ gut fortgesetzt werden. In einigen Fachgebieten mussten al­lerdings auch Forschungstätigkeiten unter- oder abgebrochen werden. Besonders betroffen sind diejenigen, die aufgrund der Schließung von Archiven im In- und Ausland oder des Rückzugs aus dem Ausland derzeit darin beeinträchtigt sind, ihre Arbeiten fortzuführen. In anderen Fächern erfolgten Arbeitsverlagerungen vom Labor ins Homeoffice.

Die negativen Folgen werden erst nach COVID-19 sichtbar wer­den:

  • Die Finanzierung der Forschung gerät durch krisenbedingte Mehrkosten und Einnahmeausfälle unter Druck, da die Mehrzahl der Wissenschaftler*innen befristet drittmittelfi­nanziert ist. Um Härten für solche Wissenschaftler*innen zu vermeiden, ist die Kompensation von Einnahmeausfällen zur Sicherung von Projekterfolgen dringend erforderlich.
  • Internationale Kooperationen können wegen der Reisebe­schränkungen derzeit schlecht koordiniert werden. Nach COVID-19 ist hier eine Anschubfinanzierung sinnvoll, um die internationalen Kooperationserfolge zu sichern.
  • Vor allem an den technischen Universitäten und Hochschu­len für angewandte Wissenschaften wird bereits jetzt fest­gestellt, dass geplante Forschungsprojekte mit der Indus­trie auf Eis gelegt und Förderphasen ersatzlos gestrichen werden. Während außeruniversitäre Forschungsorganisatio­nen Ersatzmittel aus dem Corona-Zukunftspaket erhalten, wenn ihnen die Mittel aus der Wirtschaft wegbrechen, sind die Universitäten und Hochschulen, die ebenfalls anwen­dungsorientierte Forschung mit Unternehmen betreiben, hiervon ausgeschlossen. Dieser Fonds muss auf die Univer­sitäten und Hochschulen ausgeweitet werden.
  1. Wissenschaftlicher Nachwuchs

Besonders betroffen durch die pandemiebedingten Einschränkun­gen ist an den Universitäten der wissenschaftliche Nachwuchs. Durch das notwendige verstärkte Engagement in der Lehre, Ein­schränkungen in der Forschung, Übernahme zusätzlicher familiä­rer Betreuungsaufgaben verlängern sich zwangsläufig die Qualifi­zierungszeiten. Dies ist für junge Wissenschaftlerinnen und Wis­senschaftler in ihrer frühen Karrierephase besonders nachteilig. Der dbb begrüßt ausdrücklich die Verlängerung der zulässigen Höchstbefristungsdauer im Wissenschaftszeitvertragsgesetz, die vom vhw angestoßen worden war. Auch die von der DFG ermög­lichte Verlängerung von Vertragslaufzeiten für Doktorandinnen und Doktoranden im Rahmen der Graduiertenkollegförderung ist ein wichtiger Schritt, um die Nachteile in der frühen Karrierepha­se auszugleichen. An den Hochschulen fallen erhöhte Personal- und Sachkosten an, die nicht durch Drittmittel kompensiert wer­den. Dieser Mehrbedarf muss kompensiert werden, um Karriere­brüche und Verlust von Forschungskompetenz zu verhindern.

  1. Digitale Infrastruktur

Im Frühjahr und im Herbst 2020 stellten die Universitäten und Hochschulen teilweise in wenigen Tagen von Präsenzlehre auf Fernlehre, fast ausschließlich digital basiert, um. Auch das Som­mersemester 2021 wird voraussichtlich in den meisten Lehrver­anstaltungen digital basiert ablaufen. Diese Umstellung hat Mög­lichkeiten, Grenzen, aber vor allem Schwachstellen der digitalen Infrastruktur aufgezeigt. Die Landesregierungen mögen im Dialog mit den Universitäten und Hochschulen für folgende Ausstattung sorgen:

  • dienstliche Endgeräte für Dozent*innen mit der Ausstattung für Weblehre auch für das Homeoffice,
  • Ausbau der digitalen Lehrplattformen für multimediale Leh­re auf den stark gestiegenen Bedarf; Berücksichtigung des komplexen Lernprozesses mit Unterricht, Exzerpt, Repetiti­on, Übung, Anwendung, Kompetenzerwerb, Selbstkontrolle und Prüfung,
  • professionelle Hilfe bei datenschutzrechtlichen Aspekten der digitalen Fernlehre,
  • Stärkung der IT-Struktur an Universitäten und Hochschu­len,
  • professionelle Unterstützung bei der technischen Umset­zung der digitalen Fernlehre (Videostudio mit Personal, Ur­heber-Rechtsprüfung etc.).

Nach den gesammelten Erfahrungen ist mindestens genauso dringend die digitale Infrastruktur der Studierenden. Dazu gehört

  • Ausbau der Web-Netze an den allgemein gestiegenen Be­darf,
  • Leihgeräte oder Beschaffungszuschüsse für angemessene Endgeräte für finanzschwache Studierende,
  • Anpassung der BAföG-Sätze an den erhöhten Bedarf durch Online-Fernlehre,
  • Verlängerung der Überbrückungshilfen für in Not geratene Studierende bis Ende 2021.
  1. Qualitätssicherung (der Universitäten und Hochschulen)
  • Lehrende und Lernende brauchen Kompetenzen für das Lernen in einer digitalen Welt. Es bedarf didaktischer und technischer Fortbildung. Schon jetzt werden die vorhande­nen Fortbildungsangebote nicht vollständig genutzt, weil entweder die Lehrpflichten leiden oder keine Anreize z. B. als Deputatsanrechnung für Fortbildungen existieren.
  • Gerade bei neuberufenen Professor*innen wäre eine ange­messene Entlastung für den Aufbau neuer Veranstaltungen und Fortbildung wichtig. Diese Möglichkeit gibt es nur sehr begrenzt.
  • Die Findung von professoralem Nachwuchs wird in vielen Disziplinen zunehmend schwieriger. In angewandten Wis­senschaften ist Kompetenz aus Tätigkeiten außerhalb der Universitäten und Hochschulen zwingend. Die Vergütung in der Industrie ist aber deutlich besser als die Besoldung an den Hochschulen, weshalb Professuren nicht sehr attraktiv sind. Bei den derzeitigen Zusatzaufgaben aus COVID-19-Gründen wird diese Attraktivität absehbar nochmals sinken. Die Politik sollte deshalb prüfen, ob bei einer Berufung von außerhalb der Hochschulen eine Besoldung auf Stufe W2 (ohne Zulagen) angemessen ist. Aber auch die Zulagenver­gabe ist in einigen Bundesländern weder transparent noch über Jahre stabil. Bei Berufungen an Universitäten und Hochschulen sollten eine angemessene Besoldung und klare Zulagen-Perspektiven vorhanden sein. Der vhw unterstützt deshalb die Forderung nach einen einheitlichen Professo­renamt mit der Grundbesoldung W 3. Nur dann werden sich die Hochschulen auch zukünftig im Wettbewerb um hervor­ragende Wissenschaftler*innen behaupten können.

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Zum Lesen des Positionspapiers:
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Sitzung des geschäftsführenden Bundesvorstands

16. Januar 2021: Auch die Sitzung des geschäftsführenden Bundesvorstands am 29. Januar 2021 wurde als Videokonferenz mit BigBlueButton durchgeführt. Zum Thema „Prüfungen unter Corona-Bedingungen“ wurden die Erfahrungen in den Bundesländern ausgetauscht. Auf Vorschlag des Bundesvorsitzenden Prof. Dr. Josef Arendes wird beschlossen, dass der vhw sich in seine Stellungnahmen bevorzugt für die Durchführung von Präsenzprüfungen ausspricht. Der vhw fordert weiter die Bundesländer dringend auf, möglichst rasch die rechtlichen Grundlagen für den rechtssicheren Einsatz von Online-Prüfungen oder anderen Alternativen zu Präsenzprüfungen zu schaffen.

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Online Sitzung des vhw Bundesvorstands

Die 23. Sitzung des vhw – Bundesvorstands fand online statt

30. Oktober 2020: Geplant war das Treffen des Bundesvorstands zu einer Präsenzsitzung in Mannheim. Corona-bedingt musste jedoch eine Videokonferenz mit BigBlueButton durchgeführt werden. Neben Verbandsinterna wurde der Vom Schatzmeister Wolfgang Kübert vorgelegte Haushaltsabschluss 2020 und der Haushaltsplan 2021 verabschiedet. Ein weiterer Schwerpunkt war die Analyse der Situation der Lehre in Zeiten der Corona-Pandemie mit Erfahrungsberichten aus den Bundesländern. Hierzu wurde ein Positionspapier „Die Präsenzlehre ist an Hochschulen unverzichtbarverabschiedet.

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Online Sitzung des vhw Bundesvorstands

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